Glasfassaden sehen modern aus – bis im Juni die Sonne draufsteht. Dann heizen sich Büros, Besprechungsräume und Empfangsbereiche auf, Bildschirme spiegeln, und die Beschwerden häufen sich. Sonnenschutzfolie ist für viele Unternehmen der schnellste Weg, das in den Griff zu bekommen – gerade in Mietflächen, in denen keine außenliegenden Jalousien montiert werden dürfen.
Was der Arbeitsschutz verlangt
Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) verlangt, dass Fenster, Oberlichter und Glaswände gegen übermäßige Sonneneinstrahlung abgeschirmt werden können (Anhang 3.5) und dass die Stärke des Tageslichteinfalls am Arbeitsplatz regulierbar ist (Anhang 3.4). Für Bildschirmarbeitsplätze kommt hinzu: Bildschirme müssen frei von störenden Reflexionen und Blendungen sein (Anhang 6).
Konkretisiert wird das in den Technischen Regeln: Die ASR A3.4 verlangt, störende Blendung durch Sonne zu vermeiden oder zu minimieren, die ASR A3.5 nennt die Temperaturschwellen 26, 30 und 35 °C. Mehr dazu in unserem Ratgeber Hitze im Büro.
Praxishilfe: Die DGUV Information 215-444 „Sonnenschutz im Büro“ beschreibt ausführlich, wie Blendung und Wärmeeintrag am Arbeitsplatz reduziert werden können.
Was Folie bei Glasfassaden leisten kann
- Wärme: Ein Teil der Sonnenenergie wird abgewiesen, bevor sie den Raum aufheizt.
- Blendung: Die Helligkeit am Fenster sinkt – Bildschirme und Arbeitsplätze am Fenster werden angenehmer.
- Einheitliche Optik: Reflektierende Folien geben der Fassade ein gleichmäßiges Bild.
- Kein Eingriff in die Fassade: wichtig bei Mietflächen und Gebäuden, in denen außen nichts verändert werden darf.
Was Folie nicht kann: Sie ist nicht verstellbar. Wer Blendung je nach Sonnenstand regulieren muss, braucht zusätzlich ein Rollo oder eine Jalousie innen – die Folie nimmt dann vor allem die Wärmespitze. Den Vergleich finden Sie hier.
Worauf es bei großen Flächen ankommt
1 Glasaufbau prüfen
Bürogebäude haben meist Isolierglas mit Beschichtung. Ob und welche Folie passt, muss vorher geprüft werden – sonst drohen thermische Spannungen und im ungünstigen Fall Glasbruch.
2 Einheitliche Wirkung von außen
Reflektierende Folien verändern das Erscheinungsbild der Fassade. In Mietobjekten und bei mehreren Mietparteien sollte die Optik mit Eigentümer oder Hausverwaltung abgestimmt werden.
3 Mobilfunk
Stark metallisierte Folien können den Handyempfang in Innenräumen abschwächen. Wo das wichtig ist, kommen metallfreie Folientypen infrage.
4 Montage im laufenden Betrieb
Folie lässt sich raumweise verkleben, ohne dass das Büro schließen muss. Eine gute Planung legt fest, welche Räume wann frei sein müssen.
Checkliste für Unternehmen
- Betroffene Räume und Himmelsrichtungen erfassen (meist Süd und West)
- Temperaturen und Beschwerden dokumentieren
- Glasaufbau klären, Stempel im Scheibenzwischenraum fotografieren
- Optik mit Vermieter oder Hausverwaltung abstimmen
- Folientyp nach Wärme, Licht und Optik auswählen
- Montage raumweise planen
- Maßnahme in der Gefährdungsbeurteilung festhalten
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Bauberatung. Quellen: ArbStättV (gesetze-im-internet.de), Baunetz Wissen – Blendschutz an Arbeitsplätzen, DGUV Information 215-444 (BGN).
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